Ten Things To Know About Miomir Kecmanovic 🇷🇸

Ab nächster Woche findet in Mailand die dritte Ausgabe der sogenannten “NextGen-Finals” statt. Dort kämpfen die acht besten U-21 Spieler des Jahres 2019 um den Titel und knapp 1,3 Millionen € Preisgeld. Das Besondere sind die speziellen Regeln dieses Turniers: So ist On-Court Coaching erlaubt, die Linienrichter werden komplett durch Hawkeye Technologie ersetzt, es gilt die No-Ad und No-Let Regel und gespielt wird im Modus “Best-of-5” auf Gewinnsätze mit nur vier Spielen. Täglich werde ich euch bis zum Turnierstart einen Spieler näher vorstellen.

Miomir Kecmanovic, geboren am 31. August 1999 🇷🇸

📍 Kecmanovic begann mit sechs Jahren Tennis zu spielen und gewann bereits ein jahr später ein Turnier für 10-jährige. Geboren in Belgrad liess er bereits mit 13 Jahren seine Familie und Heimat hinter sich und zog zusammen mit seiner Tante nach Florida, um dort in der berühmten IMG-Academy unter Nick Bolletieri zu trainieren. Im Nachhinein sieht er diesen Schritt auch heute noch als gute Entscheidung. “Wäre ich zuhause geblieben, hätte ich nicht die gleiche Qualität in meinem Training und bei meinen Coaches gehabt. Ich denke nicht, dass ich dann heute hier stehen würde.”

📍 In den Jahren 2015 und 2016 gewann er den Orange Bowl, eines der prestigeträchtigsten Juniorenturniere überhaupt. Ende November 2016 zog er in der Juniorenausgabe der US Open ins Finale ein und stand auf Platz 1 der Juniorenweltrangliste Ende des Jahres. Sein Trainer sagte damals über ihn: “Er ist sehr aufmerksam und arbeitet seit er hier ist wie ein Getriebener. Er hat ein unglaubliches Potential.”

📍 Kecmanovic spielte bereits mit 14 Jahren erste Turniere auf der ITF-Future Tour und erreichte mit 16 Jahren sein erstes Finale, welches er im Tiebreak des dritten Satzes gegen einen gewissen Denis Shapovalov verlor. Bisher konnte er auf der Future-Tour drei Einzeltitel gewinnen. Auf der zweitklassigen Challenger Tour gewann er seinen ersten Einzeltitel im Oktober 2017 in Suzhou. Seinen zweiten Titel auf dieser Ebene sammelte er ebenfalls in China in Shenzhen 2018.

📍 Der junge Serbe wählte (anders als viele seiner gleichaltrigen Kollegen) einen eher ungewöhnlichen Weg für den Einstieg ins Profitennis, indem er viele Turniere in schwächer besetzten asiatischen Challengern spielte. Da er in Florida aufwuchs, wären hier die stärkeren amerikanischen Challengerturniere eigentlich die logischste Wahl gewesen. Ich denke, dass er sich jedoch bewusst war, direkt nach den Junioren noch etwas mehr Zeit zur Entwicklung zu benötigen und sich in China etwas aus dem Fokus der Medien nahm. In Serbien wird quasi jeder halbwegs gute Tennispieler direkt zum Djokovic-Nachfolger gehyped und durch viele Turniere im asiatischen Raum verschwand er etwas vom Radar. College-Tennis zog er auch in seine Überlegungen mit ein, verwarf die Idee dann aber wieder.

📍 Seinen Breakthrough feierte er in diesem Jahr. Als Lucky Looser zog er in Indian Wells in sein erstes Masters-Viertelfinale ein. In Antalya nutzte er das schwach besetzte Rasenturnier um sein erstes ATP-Finale zu erreichen, welches er gegen Sonego allerdings verlor. Diesen Sommer erreichte er mit Platz 47 seine Karrierebestleistung, auch durch solide Arbeit: In 21 seiner 29 teilgenommenen Turniere erreichte er mindestens die zweite Runde.

📍 Kecmanovic ist ein guter Freund von Djokovic, welcher dem jungen Landsmann gerne mit Tipps und Ratschlägen versorgt. Wenn beide beim selbern Tunier antreten, trainieren sie oftmals auch zusammen und der jüngere der beiden saugt alle Informationen und Tipps die er bekommen kann, auf wie ein Schwamm.

📍 Der Serbe ist zusammen mit seiner starken Vorhand ein echter Allrounder, der erstaunlicherweise bereits früh in seiner Karriere sein Spiel auf alle Beläge anpassen kann. Auf Sand gewann er jedoch bislang nur auf ITF-Ebene Turniere, sodass Hartplatz schon als sein bester Belag gelten kann. Arbeiten muss er noch an seinem Serve, der verbesserungswürdig ist. Dazu ist er mit 1,83 m nicht der größte. Seine Spielweise lässt sich sehr gut als Counterpuncher zusammenfassen, der solide viele Bälle zurückbringt und seine Gegner damit zu Fehlern zwingt.

📍 Knackpunkt in seiner Entwicklung war nach eigenen Aussagen die Off-Season 2018. Dort trainierte er zusammen mit Dominic Thiem und Struff auf Teneriffa und gab danach zu, dass er die Vorbereitung mental und physisch sehr tough fand. Gegen Ende merkte er jedoch, wie er sich immer besser fühlte. Genau diese Erfahrung änderte seine Denkweise und er bekam die Augen geöffnet, wie hart die Topspieler der Tour wirklich arbeiten.

“My belief was definitely something that I was thinking about, but it’s different when it actually happens and you keep up with them, then you start to believe it when you see that it’s happening. When it started, it was maybe one match, two matches. Then I saw that I could play at this level.”

📍 In den letzten Wochen zehrte jedoch die lange Saison an den Kräften von Kecmanovic. Nach 69 Spielen schied er in der Qualifikation für das Masters-Turnier in Paris gegen den unbekannten Local Roumane aus und zog sich dabei eine Verletzung am Oberschenkel zu. Fraglich ist nun, wie fit er zu den Nextgen-Finals anreisen wird. Zu Juniorenzeiten kassierte er gegen die Top-Guns der Juniorenszene wie FAA oder Shapovalov meist Niederlagen. Der Serbe kann froh sein, wenn er die Vorrunde übersteht.

📍 Zu seinen Zielen in 2020 gehört das Erreichen der Top 30 und der Gewinn des ersten ATP-250 Titels. Noch bin ich skeptisch wohin der Weg des Serben geht. An die Erfolge eines Djokovic wird er sicherlich nicht anknüpfen können, dürfte aber ein solider Top-30 Spieler der Tour auf Dauer werden. Für höhere Aufgaben muss er sein Spiel in einigen Knackpunkte noch verbessern.