Ohne Limit – wie entsteht eine Spielsucht?

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Das Jahr 2020 hatte es in sich – für die Menschen, aber auch für die Glücksspiel-Branche. Einerseits führte die Corona-Pandemie dazu, dass Online-Spielbanken immer beliebter wurden, weil man sich während der Ausgangsbeschränkungen neue Möglichkeiten zum Zeitvertreib gesucht hat. Andererseits sorgen neue Regelungen in der Branche dafür, dass der Glücksspielmarkt in Deutschland umdenken und umstrukturieren muss. Schon bald wird eine deutschlandweite einheitliche Lizenzierung die bisherigen Lizenzen aus Malta, Gibraltar, Curacao & Co ablösen. Warum? Die Bundesregierung möchte den Markt transparenter, das Angebot fairer und das Spielen mit Verantwortung leichter umsetzbar machen.

Slots ohne Limit sowie viele weitere Jackpot-Spiele gehören deshalb schon seit Mitte Oktober 2020 weitgehend der Vergangenheit an. Durch das Streichen exorbitanter Angebote soll es Spielern leichter möglich sein, online um Geld spielen zu können, ohne in ein pathologisches Spielen zu verfallen. Das Hauptziel der Regelneuerungen ist es also, das Risiko, an einer Spielsucht zu erkranken, zu minimieren. Auch wenn dies ein wichtiger Schritt in Richtung verantwortungsvolles Glücksspiel ist, sollten Spieler Anzeichen einer Sucht (er)kennen, um sich oder ihre Lieben zu schützen.

Pathologisches Spielen – so wird man süchtig nach Glücksspiel

Beim Gambling gibt man die Kontrolle ab, man legt sie in die Hände des Glücks. Der Ausgang eines Spiels ist auch mit den besten Wettsystemen und den schlauesten Taktiken nie zu 100 % vorhersehbar. Wer es schafft, abzuräumen und Echtgeld-Gewinne einzuheimsen, wird dieses Gefühl lieben. Adrenalin wird dabei frei und rauscht durch den Körper, was für ein enormes Glücksgefühl sorgt. Ähnlich wie bei Rauschmitteln sorgt dieses Glücksgefühl in unserem Körper dafür, dass er es noch einmal erleben möchte. Und noch einmal. Und noch einmal.

Spielen mit Verantwortung bedeutet, sich dieses Risikos bewusst zu sein. Willensstarke Personen können sich häufig selbst bremsen, während anderer schnell einer Sucht verfallen, wenn sie keine Schutzmaßnahmen nutzen. Online-Spielbanken bieten daher in den Einstellungen des Spieler-Accounts meist Möglichkeiten an, um sich selbst zu bremsen. Besonders beliebt: der Reality Check, das Zeit-Limit, das Einsatz-Limit sowie die Freeze-Funktion, mit der man sein Konto vorübergehend deaktivieren kann.

Dass man diese Funktionen nutzen sollte, wird vielen Spielern leider erst zu spät bewusst. Auf den Rausch der ersten Gewinne folgt dann häufig die bittere Enttäuschung darüber, dass man plötzlich auch einmal verliert. Wer zu hoch gepokert hat, verliert dann oft mehr Geld als ihm lieb ist. Gleichzeitig überwiegt dann aber trotzdem der Wunsch nach diesem Glücksgefühl und man spielt weiter. Dies ist oft der Eintritt in einen Teufelskreis, der in der Spielsucht endet.

Ab wann ist man spielsüchtig?

Wo genau man die Grenze zwischen normalem und pathologischem Spielen zieht, ist individuell. In der Regel beginnt die Spielsucht aber an dem Punkt, ab dem es einem unmöglich wird, durch bloße Willensstärke mit dem Glücksspiel aufzuhören. Anhaltspunkte dafür können es sein, dass es einen sprichwörtlich in den Fingern juckt, wenn man gerade nicht zockt, aber auch die ständige Suche nach Möglichkeiten, die RNGs von Spielen durch Taktiken zu umgehen. Das Ziel: Man möchte den Adrenalinschub eines Echtgeld-Gewinns so bald wie möglich wiedererleben – koste es, was es wolle. Stellt ein Spieler fest, dass ihm die Jagd nach dem Glücksgefühl wichtiger ist als der Erhalt der eigenen Finanzen, sollte er sich um Hilfe gegen Spielsucht bemühen.

Freunde und Familie schützen – Verhalten eines Spielsüchtigen

Oft bemerkt der Spieler nicht, dass er bereits an einem Point of no Return steht. Dann sind es meist die engen Angehörigen oder Freunde, die am Verhalten des Spielers erkennen, dass etwas nicht stimmt.

Stellt man fest, dass ein ehemals geselliger Typ Mensch plötzlich keine Lust mehr hat, das Haus zu verlassen, ist das oft ein Zeichen dafür, dass es zu Hause etwas gibt, das ihn mehr reizt als gute Gesellschaft. Auch wenn Bekannte sich plötzlich vermehrt Geld leihen, ohne sagen zu wollen, wofür, kann dies auf eine Spielsucht hindeuten. Es gilt also, wachsam zu sein und die Person in einer ruhigen Minute zu fragen, ob sie Hilfe benötigt. Dies gestehen sich Betroffene aber meist sehr spät ein, weshalb man die Situation im Blick behalten sollte.