Die Evolution des eSports

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Das Gaming in Wettbewerbsform wird von vielen Menschen als ein relativ neues Phänomen angesehen. Seine Wurzeln lassen sich jedoch bis in die 1970er Jahre und darüber hinaus zurückverfolgen. Wir werfen einen Blick auf die bescheidenen Anfänge des eSports und wie er sich bis heute entwickelt hat…

Innerhalb weniger Jahrzehnte hat sich die Videospielindustrie zu einer Multi-Milliarden-Dollar-Industrie entwickelt. Und eSports ist nun dabei, sich seinen eigenen Markt innerhalb dieser Branche zu schaffen. Laut „Newzoo“ ist eSports auf dem besten Weg, bis zum Jahr 2023 einen Umsatz von fast 1,6 Milliarden US-Dollar zu erreichen. Und auch die Zahl der Zuschauer soll bis zu diesem Zeitpunkt von 495 auf 646 Millionen steigen. Kein Wunder, wenn man bedenkt, welch riesige Preisgelder für professionelle eSportler auf dem Spiel stehen.

Aber wie ist es soweit gekommen?

Wenn wir die Zeit um ein paar Jahrzehnte zurückdrehen, waren einige der ersten Videospiele tatsächlich schon wettbewerbsfähig. Bei „Tennis For Two“ aus den 50er Jahren und „Pong“ aus den frühen 70er Jahren ging es darum, dass zwei Spieler einen verpixelten Ball hin und her schlagen, um eine höhere Punktzahl als der gegnerische Spieler zu erreichen.

Das „Space Invaders“-Turnier von Atari im Jahr 1980 war eines der populärsten, erstmals aufgezeichneten Spielewettbewerbe, bei dem die Spieler (etwa 10.000 Teilnehmer) versuchten, die höchste Punktzahl zu erreichen. Zuvor hatte die Stanford University bereits ein deutlich kleineres „Spacewar“-Turnier im Jahr 1972 veranstaltet. 1981 wurde dann die Gaming-Weltrekord-Organisation „Twin Galaxies“ gegründet, die die  Scores der Top-Spieler in Arcade-Spielen wie „Donkey Kong“ und „Space Invaders“ erfasste.

Aber erst in den 90er Jahren machte das Gaming größere Fortschritte. Es entstanden wettbewerbsfähigere Konsolenspiele wie „Super Street Fighter II“, ein klassischer 2D-Einzelkämpfer-Spiel, während PC-Spiele wie „Doom“ nicht nur das Ego-Shooter-Genre revolutionierten, sondern es den Benutzern auch ermöglichten, gemeinsam über ein lokales Netzwerk (LAN) zu spielen. „Quake“ und „StarCraft“ kamen ebenfalls auf den Markt, und beide trieben den eSport weiter voran.

Was Turniere betrifft, so fand das erste große „Street Fighter-„Turnier 1996 in Kalifornien statt. Dieser jährliche Wettbewerb mit 40 Teilnehmern trug den Titel „Battle by the Bay“ und wurde später zur „EVO“, die heute noch stattfindet. Im Jahr 1997 zog das „Red Annihilation“ US-Turnier von Quake sogar über 2.000 Teilnehmer an. Dennis „Thresh“ Fong gewann den Wettbewerb und wurde mit dem Ferrari von Entwickler John Carmack ausgezeichnet.

Ein Jahr später wurde dann die „Cyberathlete Professional League“ gegründet und die ersten eSports-Profis machten sich einen Namen. Darunter war auch Johnathan „Fatal1ty“ Wendel, der im Laufe seiner eSports-Karriere rund eine halbe Million Dollar an Preisgeldern gewonnen haben soll. Fatal1ty schloss mehrere Sponsorenverträge ab und brachte sogar seine eigene Marke für PC-Gaming-Zubehör heraus.

1999 kamen dann die neuen Shooter „Unreal Tournament“ und „Counter-Strike“ auf den Markt. Letzteres entwickelte sich zu einem der populärsten eSports-Spiele aller Zeiten.

In den 2000er Jahren ermöglichte die Einführung von Online-Diensten wie „Xbox Live“ Konsolenspielern, kooperativ oder gegeneinander in Spielen wie dem Ego-Shooter „Halo 2“ zu spielen und ebnete den Weg für andere beliebte Online-Games wie „Call of Duty“. Dadurch war es für Gamer plötzlich viel einfacher, mit Menschen aus aller Welt über das Internet zu spielen. Nun begannen auch die eSports-Boom-Jahre, in denen Spiele wie „StarCraft“ und „Counter-Strike“ ihre große Stunde hatten.

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Die Erfindung des Breitband-Internets und die Entstehung neuer Online-Dienste ermöglichte es immer mehr Spielern, online gegeneinander zu spielen und stets in Verbindung zu bleiben. Einige der größten und bekanntesten eSports-Teams von heute, darunter Fnatic, Optic Gaming, T1 und TSM, wurden alle in den 2000er Jahren gegründet. Auch Turnieranbieter wie ESL und Dreamhack gewannen an Bekanntheit.

Und als immer mehr Sponsoren für eSports auftauchten, stiegen auch die Preisgelder, ebenso wie das Spielniveau und die allgemeine Infrastruktur rund um das kompetitive Gaming. Ab 2010 wurden die Dinge noch gewaltiger: „Multiplayer Online Battle Arena (MOBA)“-Spiele, bei denen zwei Teams mit je fünf Spielern gegeneinander antreten, vermischten Strategie- und RPG-Elemente und wurden so zu einem echten Hit.

Heute ist eSports größer als je zuvor. Es gibt unzählige  eSports-Teams, -Events und -Organisatoren, mit beeindruckenden Preispools und starken Online-Communities und Streaming-Plattformen wie „Twitch“. Diese ermöglichen es Nutzern, eSports-Matches zu sehen und ihre Lieblingsgamer live über das Internet spielen zu sehen. Natürlich kann man mittlerweile auch richtige Sportwetten abschließen. Und mit technologischen Fortschritten wie KI wird sich die eSports-Industrie auch in Zukunft rasant weiterentwickeln.