Die Coronakrise als Chance für den Fußball?

Die Coronakrise bestimmt das gesellschaftliche Geschehen und zeigt zugleich, wie Anfällig die globalisierte Welt ist. Dabei macht das Virus auch vor dem Fußball keinen Halt und hat dafür gesorgt dass in so gut wie allen Teilen der Welt der Ball ruht. Wann es weitergeht ist derzeit ungewiss und darüber lässt sich nur mutmaßen. Doch möglicherweise bietet das Virus für den Fußball eine Chance der Erneuerung.

Moralische Werte weitgehend verschwunden

Zweifelsohne hat sich das Fußballgeschäft in den vergangenen Jahren zu einem riesigen Gigantismus entwickelt. Die TV-Gelder sind signifikant in die Höhe gesprungen und lassen somit atemberaubende Ablösesummen möglich. Vor allem die englischen Vereine zahlen Summen, für teils zwei- oder drittklassige Spieler, welche nur noch für Kopfschütteln sorgen. Die Vergabe der Fußball-Weltmeisterschaft nach Katar zeigt, dass moralische Werte im Fußball verschwunden sind und allein die finanziellen Mittel entscheidend sind. In den Strukturen von FIFA und UEFA hat sich in den vergangenen Jahren nichts verändert. Was sich verändert hat, sind allein die Namen, welche die Verbände leiten. Deshalb war es wenig verwunderlich, dass die UEFA bei einer Verschiebung der EM den Vereinen mit Regressmitteln gedroht hat.

Paradoxe Fußballwelt auch in Deutschland

Es wäre paradox davon zu sprechen, dass der Kommerz nicht längst in den deutschen Fußball eingezogen ist. So schimpfen die Fans über RB Leipzig und andererseits wird der FC Bayern seit Jahren von einem Großsponsor aus Katar unterstützt. Der Begriff der Doppelmoral passt ohne Weiteres in das aktuelle Fußballgeschehen. Bis zuletzt hat Hans-Joachim Watzke versucht den Spielbetrieb der Bundesliga am Laufen zu halten. Dies zeugt davon, dass es vor allem den größeren Vereinen allein um das Geld geht. Selbst der sportliche Aspekt spielt nur eine untergeordnete Rolle. Größenwahn, Profitgier, Entfremdung können auf den Fußball übertragen werden.

Fußball in andere Richtung lenken

Wenn selbst Martin Kind, Mehrheitsgesellschafter von Hannover 96, dazu aufruft das Virus als Chance zu begreifen und zu hohe Ablösesummen, Gehälter und Berater-Honorare anprangert, dann zeigt dies, dass der Fußball längst an einem Punkt angekommen ist, in dem sich die “Oberen” Gedanken machen sollten. Immer leerere Stadien bei Spielen der deutschen Nationalmannschaft zeigen, dass das Volk die Lust auf Events verliert und den eigentlichen Sport zurückhaben will. Es wäre wünschenswert, wenn Gianni Infantinos Zitat:„Vielleicht können wir den Fußball reformieren, indem wir einen Schritt zurück machen”, zur Wirklichkeit wird. Deshalb bleibt es zu hoffen, dass vor allem die kleineren Vereine die Krise überstehen und der wahre Fußball weiterlebt. 20 Millionen Euro der Champions League Vereine an die restliche Liga sind dabei nur ein heißen Tropfen auf den Stein. Solidarität zwischen allen Vereinen ist gefragt und deshalb sollten sich die Vereine zumindest in der kommenden Transferperiode überlegen, ob exorbitante Summen notwendig sind.

Fans zeigen Solidarität

Schön anzusehen ist, dass die Fans in der Krise hinter den „Helden des Alltags“ stehen und diese mit Plakaten unterstützen. Ebenso werden zahlreiche Geistertickets verkauft. Allein Lok Leipzig konnte 62.000 Tickets verkaufen. Exemplarisch dafür, dass der Fußball allein von den Fans lebt.