Closing Line Value (CLV)
Sind meine Sportwetten auf lange Sicht profitabel?

Ihr habt euch sicherlich schon einmal gefragt, ob man in irgendeiner Art und Weise objektiv bestimmen kann, ob eine Sportwette zu einer bestimmten abgegebenen Quote eine “gute” oder “schlechte ” Wette war – unabhängig davon, ob die Wette am Ende tatsächlich gewonnen hat oder nicht. Das geht tatsächlich, und zwar mithilfe des sogenannten Closing Line Value Wertes, den ich euch in den folgenden Abschnitten einmal genauer vorstellen möchte.

Quoten repräsentieren Wahrscheinlichkeiten

Wenn ein Buchmacher Quoten für ein bestimmtes Spiel herausgibt, spiegeln diese auch immer die vom Buchmacher gedachte Wahrscheinlichkeit des Eintretens dieses Ereignisses wieder. Wie man eine Quote in eine Wahrscheinlichkeit umrechnet? Man teilt den Wert 1 durch die Quote (z.B. 1/1,92 = 52 %). Hierbei muss jedoch noch beachtet werden, dass jeder Bookie einen bestimmten “Hold” auf seine Quoten ansetzt, um egal wie ein Spiel ausgeht, mit beiden Seiten der Wette Geld zu verdienen (im obigen Fall ca. 2 %). Im Falle eines 50/50 Spiels sind die Quoten daher nicht 2,0/2,0 verteilt sondern eher Richtung 1,92/1,92. Nehmen wir an, es spielt Nadal gegen Djokovic und beide haben eine 1,92 Quote. Spieler A setzt 100 € auf Djokovic und Spieler B 100 € auf Nadal. Egal wie das Spiel ausgeht, der Bookie macht Gewinn, denn er nimmt 200 € von beiden Spielern ein und zahlt nur 192 € an einen Spieler wieder aus.

Was bedeutet Closing Line Value (CLV)?

Die als Opening Odds auf den Markt gebrachten Quoten verändern sich je nach Wettverhalten der Sportwetter und sind nicht statisch. Bis das Spiel anfängt, reagiert der Buchmacher auf die Anzahl und Höhe der gesetzten Wetten oder eventuell kurzfristige relevante Informationen, die den Ausgang des Matches entscheidend beeinflussen könnten und passt seine Quoten an. Die letzte Quote, die man Pregame vor Beginn des Matches anspielen kann, ist die sogenannte Closing Line.

Hier setzen wir nun an: Welche Quote hast du bekommen und bei welcher Quote wurde der Markt geschlossen? Beispielsweise hast du für Sieg Nadal sofort nachdem die Quoten draußen waren eine 1,92 bekommen. Für dich ist dies nämlich kein 50/50 sondern eher ein 60/40 Spiel für Nadal und du denkst, Value entdeckt zu haben. Kurz vor Beginn des Spiels ist die Quote des Spaniers auf eine 1,78 gesunken. Herzlichen Glückwunsch, du hast offiziell eine “gute” Wahl getroffen, denn deine Quote impliziert mit Abzug des Holds des Buchmachers eine 50 %-ige Wahrscheinlichkeit auf Sieg Nadal. Kurz vor Beginn des Spiels liegt die Wahrscheinlichkeit die die Buchmacher der Wette geben jedoch auch schon bei 58 % und damit fast auf den von dir als fair gesehenen 60 %.

Warum ist es wichtig, regelmäßig die Closing Line zu schlagen?

Nehmen wir an, dass du mit 100 € pro Einheit tippst und ungefähr 150 Wetten im Monat abgibst. Weiter gehen wir davon aus, dass du die Closing Line immer um mindestens 0,01 schlägst (zB. du wettest eine 1,72 Quote, die dann mit dem Wert von 1,71 schließt).

Klingt auf den ersten Blick zu wenig um bedeutend mehr Gewinne einzufahren. Auf den zweiten Blick gewinnst du allerdings bei der Hälfte deiner Wetten jeweils einen Euro mehr als andere. Am Ende des Monats kommen so 75 € zusammen, fast eine ganze Einheit als Gratisgewinn oben drauf.

Genau das gleiche passiert bei Handicap-Wetten. Wenn du ein Handicap von -2,5 Spielen erwischst und die Closing Line die 50/50 Wahrscheinlichkeit sich bei -4,5 Spielen einpendeln sieht, hast du einen Vorteil und machst auf Dauer mehr Gewinn.

Fazit

Auf lange Sicht unterscheidet die kleine Marge mit der man die Closing Line schlägt einen Gewinner auf Langzeit von jemandem der Bookies mit seinen Einzahlungen am Leben hält. Ein guter CLV-Wert über hunderte Wetten bedeutet auf lange Sicht, dass du die “richtigen” Wetten auswählst und ein hohes Market Agreement erhälst. Wenn dein CLV-Wert auf lange Sicht halb so groß wie der Hold des Bookies ist, bist du bereits auf einem sehr guten Weg!