Australian Open 2020 Damenkonkurrenz – Power Ranking

Die dritte Runde hat das Frauenfeld der Australian Open komplett durcheinander gewürfelt. Mit Pliskova, Osaka, Williams und Keys strichen gleich vier Favoritinnen die Segel. Das erfordert dringend auch eine Aktualisierung des Power Rankings. Dazu hat sich die ein oder andere interessante Spielerin herauskristallisiert, die man durchaus auf der Rechnung haben muss. (Stand 25.01.2020)

Der Draw der Australian Open 2020 Damenkonkurrenz

1. Petra Kvitova – Die Combackerin (von 6 auf 1)

Nach einem Messerangriff im Dezember 2016, bei dem sie an der linken Schlaghand verletzt wurde, bangte die ehemalige Wimbledonsiegerin um ihre Karriere. Sie schaffte es jedoch eindrucksvoll auf die Tour zurückzukehren, mit dem Höhepunkt bei den Australian Open im Vorjahr, als sie erst im Finale an Osaka scheiterte und die 2 der Welt wurde. Beim Turnier in Brisbane verlor die Tschechin in einem packenden Halbfinale in drei Sätzen gegen Keys. Ihre Form stimmt, wenngleich sie nicht ganz die aus dem Vorjahr erreichen konnte. Trotzdem finde ich die Quote der Buchmacher (Quote 22,0) deutlich zu hoch, da sie absolut auf Augenhöhe mit den Besten ist.

Die Quote ist mittlerweile auf 6,5 gefallen, da sich Kvitova beeindrucken und ohne Satzverlust in Runde 4 katapultierte. Der Sieg gegen die formstarke Alexandrova, die sie mit 6:1/6:2 abschoss, war dabei besonders beeindruckend. Kann sie ihre Fehler weiterhin so stark in Grenzen halten, ist sie die Frau, die es hier zu schlagen gilt. Ihre nächste Gegnerin ist die Griechin Sakkari, anschließend könnte es zum Duell mit Barty kommen.

2. Simona Halep – Die Dauerbrennerin (von 7 auf 2)

Die 28-jährige Rumänin (Quote 12,0) ist die wohl vielseitigste Spielerin auf der Tour. Da sie mit allen drei Belägen sehr gut zurecht kommt gehört sie bei jedem Grand Slam Turnier zu den absoluten Top-Favoritinnen. Nach zahlreichen Finalniederlagen, befreite sie sich mit dem Roland Garros Sieg 2018 von dem ihr selbst auferlegten Druck und veränderte ihre Einstellung zum Sport. Sie agiert nun mit einer deutlich positiveren Attitüde und versucht nicht alles zu erzwingen, was sich auch auf dem Court wiederspiegelt. Sie stieg erst in Adelaide in die Saison ein und gewann ihr erstes Match gegen Tomljanovic, nicht besonders souverän, in zwei Sätzen. Schon in der zweiten Runde musste sie, nach der glatten Niederlage gegen Sabalenka, die Segel streichen. Sollte sie während des Turniers nicht zu ihrer Form finden, wird sie es wohl schwer haben. über die erste Woche hinaus zu kommen.

Die Rumänin scheint rechtzeitig in Schuss zu kommen und ist mittlerweile, auch aufgrund des zahlreichen Favoritensterbens, eine ganz heiße Kandidatin auf den Titel. Auch die Buchmacher haben das mittlerweile erkannt (Quote 4,5). Sie kam bisher ohne Satzverlust durch das Turnier. Ihr ohnehin schon machbarer Draw hat sich nach dem Ausscheiden Pliskova’s noch deutlich entschlackt. Ein Finale ist für sie absolut drin, mit weiter ansteigender Formkurve sogar der Titel.

3. Ashley Barty – Die Lokalmatadorin (von 4 auf 3)

Die 23-jährige ist amtierende Roland Garros Siegerin und die große Hoffnung der Australier (Quote 9,0). Mit ihrem unkonventionellen Spielstil ist sie nur schwer zu bezwingen. Ihr Paradeschlag ist der aggressive Vorhand-Slice, der es ihren Kontrahentinnen nahezu unmöglich macht, mit druckvollen und gleichzeitig präzisen Grundlinienschlägen zu antworten. Im letzten Jahr war für sie im Viertelfinale Schluss, als sie überraschend Glatt gegen die Tschechin Petra Kvitova unterlag. Ihr Auftaktmatch in dieser Saison verlor die Weltranglistenerste gegen die 53 der Welt, Jennifer Brady. In Adelaide überstand sie ihre Auftakthürde knapp in drei Sätzen gegen Pawljutschenkowa. Anschließend scheint sie ihre Form gefunden zu haben, gewann das Turnier und zeigte sich vor allem beim Aufschlag stark verbessert.

Barty verlor ihren ersten Satz im Turnier, war im Anschluss aber sehr souverän. Bei den Buchmachern ist die Australierin die Topfavoritin auf den Sieg (Quote 4,0). Der Grund, warum sie hier hinter Halep gelistet ist, ist der schwerere Draw. Sollte sie die Görges-Bezwingerin Riske bezwingen, würde im Viertelfinale würde wohl Kvitova warten, was den Charakter eines vorgezogenen Finals hätte.

Players to watch:

Coco Gauff (Quote 17,0)

Der Sieg gegen Osaka war ihr größter Erfolg bei einem Grand Slam Titel. Sie wirkt für ihre 15 Jahre schon sehr abgebrüht, ob es in dieser schweren oberen Hälfte der Auslosung schon für den ganz großen Coup reichen kann, bleibt zu bezweifeln. Sie kann jedoch in einem einzelnen Spiel jede Gegnerin bezwingen, das Halbfinale traue ich ihr absolut zu.

Anastasia Pawljutschenkowa (Quote 25,0)

Die Vorjahres-Viertelfinalistin spielt ein starkes Jahr 2020 und verlor in den Vorturnieren nur knapp gegen Kvitova und Barty. Sie ist bisher ohne Satzverlust im Turnier, vor allem gegen Pliskova zeigte sie eine herausragende Leistung. Auch für sie ist das Halbfinale absolut drin. Im Achtelfinale wartet die wiedererstarkte, aber angeschlagene Kerber. Auch im Viertelfinale wäre sie gegen Bertens oder Muguruza nicht chancenlos.

Garbine Muguruza (Quote 12,0)

Die zweimalige Grand Slam Siegerin zeigte gegen Svitolina ein nahezu perfektes Match mit 31 Winnern bei nur 9 Unforced Error, in der zweiten Runde gegen Tomljanovic hatte sie in jedem Satz mehr. Deshalb bleibt auch zu bezweifeln, ob sie diese Leistung konstant bringen kann. Falls ja, muss man sie definitiv auch für den Titel auf der Rechnung haben.

Die Chancen von Kerber 

Am Ort ihres ersten großen Erfolgs fühlt sich die dreimalige Grand Slam Siegerin pudelwohl. Ihr kam die Auslosung entgegen, wodurch sie gegen schwächere Gegnerinnen langsam zu ihrer Form finden konnte. Allerdings ging sie, mit Oberschenkelproblemen, nicht ganz fit ins Turnier und musste sich gegen Giorgi schon quälen. „Ich kann nicht mehr. Es geht nichts mehr.”, waren ihre Worte während des dritten Satzes an die Box. rotzdem gewann die kampfstarke Kielerin am Ende und zog in die 4. Runde ein. Dort wartet nun mit Pawljutschenkowa, die Pliskova glatt rauskegelte, der erste wirkliche Kracher. Es bleibt abzuwarten, wie gut sie sich von dem harten Match gegen Giorgi erholt. Kerber ist die einzige im verbleibenden Feld, die die Australian Open schon gewonnen hat. Einer fitten Kerber ist grundsätzlich alles zuzutrauen, der bisherige Turnierverlauf scheint ihr einiges an Selbstvertrauen gegeben zu haben. Gegen die Russin muss sie trotzdem absolut am Limit spielen, um sie zu bezwingen. Einen tiefen Run trau ich ihrem angeschlagenen Körper aber nicht zu, spätestens im Halbfinale gegen Halep wird Schluss sein.

Wozniacki’s Abschied

Die Niederlage gegen Ons Jabeur in der dritten Runde war der letzte Auftritt der sympathischen Dänin auf der Tour. Schon vor Jahreswechsel kündigte die Australian Open Siegerin von 2018 ihr Karriereende nach dem Happy Slam an. Nach großem Kampf und einer knappen Dreisatzniederlage wurde die ehemalige Weltranglistenerste mit einem Tributvideo im Beisein ihre Familie verabschiedet.

Ausgeschiedene Favoritinnen

Karolina Pliskova – Die Aufschlagkönigin ( von 1 auf – )

Für die 27-jährige Tschechin (Quote 10,0) war in Runde 3 gegen eine starke Pawljutschenkowa Schluss. Ihr Auftritt wirkte etwas leblos, von ihrer im Vorfeld des Turniers so verbesserten Beinarbeit war wenig zu sehen. Sie bleibt weiterhin ohne Grand Slam Titel.

Naomi Osaka – Die Titelverteidigerin ( von 2 auf – )

Osaka (Quote 10,0) scheiterte in Runde 3 am Wunderkind Coco Gauff, die sie bei den US Open noch bezwingen konnte. Ihr Spiel war gegen eine sehr abgebrühte 15-jährige zu fehleranfällig.

Serena Williams – Die Dominatorin ( von 3 auf – )

Die 23-fache Grand Slam Siegerin (Quote 5,5) hatte in der dritten Runde gegen eine wie entfesselt spielende Wang das Nachsehen. Mit dem Rücken zur Wand kam sie im zweiten Satz nochmal zurück, im Dritten ließ die Chinesin jedoch keinen Breakball mehr zu und schaffte die Sensation.

Madison Keys – Die Powerfrau ( von 5 auf – )

40 Unforced Error wurden der 24-jährigen Amerikanerin (Quote 18,0) in Runde 3 zum Verhängnis. Zu viel gegen ein stark spielende Sakkari, die zusätzlich noch das Publikum auf ihrer Seite hatte.